Yodgor Obid
Auf meinen Wimpern trage ich die Welt

Gedichte und ein Gespräch
Aus dem Usbekischen von Dilbar Omonova


Auf meinen Wimpern trage ich die Welt

Ich habe Angst, die Lider zu bewegen
So transparent und ruhig liegt sie da
Und lächelt wie im Traum und voller Hoffnung.

Sie lächelt wie im Traum und voller Hoffnung
Und nimmt die Farbe meiner Blicke an
Allmählich macht sie meine Seele stark
Und selbstbewusst. Die Welt auf meinen Wimpern.

Es fließt ein Sorgenstrom durch meine Brust
Ich hoffe, er erreicht mein Auge nicht
Müsste ich dem Schlaf entsagen, würde ich es tun
Wenn nur die Welt nicht von den Wimpern fällt.

Hier bin ich, und ich stehe vor der Zukunft
Und geh’ mit offnen Armen auf sie zu
Ich bin die Zeit, das Heute, ein Gedanke
Auf meinen Wimpern trage ich die Welt.


Yodgor Obid wurde 1940 in Usbekistan geboren. Obid übte verschiedene Tätigkeiten wie Bau-, Hochofen- und Bauarbeiter aus, eher er von 1975 bis 1981 ein Literaturstipendium am Maxim-Gorky-Institut in Moskau absolvierte.

Bald waren Obids Texte dem Regime in Usbekistan zu politisch. Publikationen wurden verboten und Obid wurde massiv verfolgt und inhaftiert; unter anderem in einem Arbeitslager in Sibirien.

Nach seiner Flucht aus Usbekistan und einem mehrjährigen Aufenthalt in Moskau war Obid 1997 der erste Gast im Rahmen „Writer in Exile“ in Graz. Nach längeren Aufenthalten in Götzis und Deutschland kehrte er nach Graz zurück, wo er bis heute lebt und schreibt.

Zahlreiche Publikationen und ein Filmporträt geben einen Einblick in das Leben und Wirken des usbekischen Dichters Yodgor Obid, der in Usbekistan bis heute ein „verbotener“ Autor ist.

2021 erscheint im Helbling Verlag „Lieder eines Fremden“, Thomas Thurnhers Vertonung von Gedichten von Yodgor Obid.

InhaltGedichte und ein Gespräch, mit 10 Kreidezeichnungen und einem Porträt-Holzschnitt von Christian Thanhäuser
Jahr2021
ISBN978-3-900986-25-4
Umfang96 Seiten
Format145 × 235 mm
BindungFadenheftung

24 €

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