Volha Hapeyeva
Mutantengarten

Gedichte, aus dem Belarussischen übersetzt von Matthias Göritz, Martina Jakobson und Uljana Wolf. Mit einem Nachwort von Matthias Göritz.

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Haus der Autorinnen und Autoren Graz.


meine hände gestützt auf einen baum
darauf liegt ein anderer weißer baum 
in dem ich mit dem dritten
schreibe 

tisch  notizbuch  stift

um mich herum: gedächtnis eines ganzen waldes
in mir: gedächtnis des holzfällers
gedächtnis des schamanen
und das jenes ersten baums
den ich umarmte in großmutters garten 
ich gab ihm worte und schmerz
und nahm seine wärme 
bis er gefällt wurde
weil er keine äpfel mehr trug

praktische existenz
wenn man schönheit an nutzen misst

weißt du baum
genauso machen sie es mit sich selbst 
schreinern schränke aus einander
benutzen andere als türen 
bauen käfige aus sich 
doch alles was sie brauchen
ist das schmiegen von körper an körper 
sich vergewissern nicht einsam zu sein
im wald aus abgeholzten menschen


Volha Hapeyeva (Вольга Гапеева), geboren in Minsk (1982), ist eine belarussische Lyrikerin, Autorin, Übersetzerin und promovierte Linguistin. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen. In Deutschland war sie u. a. Stipendiatin der Stiftung Preußische Seehandlung (2009) und Gastautorin im Literarischen Colloquium Berlin (2018). In Österreich war sie 2013 Artist-in-Residence im Internationalen Haus der Autoren in Graz und 2014 Artist-in-Residence in Wien (KulturKontakt Austria).

Volha Hapeyeva schreibt Gedichte, Prosa und Dramen. Sie tritt ebenso als Kinderbuchautorin wie als Übersetzerin hervor. In Zusammenarbeit mit Künstlern der elektronischen Musik veranstaltet sie audiovisuelle Performances. Sie ist häufig Gast auf Internationalen Festivals. 2019/2020 ist Volha Hapeyeva für ein Jahr Stadtschreiberin von Graz.

Volha Hapeyeva ist Mitglied des PEN-Zentrums Belarus und des unabhängigen Schriftstellerverbandes Belarus. Ihre Gedichte wurden in mehr als 10 Sprachen übertragen, sie wurden in den USA, Österreich, Deutschland, Polen, Russland, Georgien, Litauen und anderen Ländern veröffentlicht. 

Sie ist die Autorin von 11 Büchern auf Belarussisch, u. a. erschienen zuletzt die Gedichtbände „Die Grammatik des Schnees“, „Schwarzer Mohn“, „Die Worte die mir passierten“ und der Roman „Camel-Travel“. 

Hapeyeva forscht in den Bereichen vergleichende Linguistik, Sprachphilosophie, Körpersoziologie und Geschlechterfragen in Kultur und Literatur. Sie ist Autorin einer theoretischen Monographie über vergleichende Linguistik und eines zweisprachigen Sem-Wörterbuchs der optativen Semantik.

InhaltGedichte, mit 15 Federzeichnungen von Christian Thanhäuser
Jahr2020
ISBN978-3-900986-06-3
Umfang140 Seiten
Format145 × 235 mm
BindungFadenheftung

24 €

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